Stofftiere im Businessblog? Ist das noch normal?

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Vorsicht! Das ist ein längerer Artikel. Man muss ihn lesen, was ja heute bereits ziemlich viel verlangt ist. Man muss ihn überdenken. Er ist auch nicht so geschrieben, dass er auf Social Media viral geht. Er ist auch nicht für Suchmaschinen optimiert.

Ich könnte es mir auch einfacher machen. Zum Beispiel so, dass es trendy rüberkommt: „Hey, ich habe ADHS und es ist meine Superpower!.“ Entschuldigung. Ich bin ein Mensch, ich denke, ich fühle. Ich denke komplex, ich fühle komplex. Das unterscheidet mich von KI, von Influencern und von allen anderen, die ihre Erkenntnisse gerne flach halten. Soviel mal als Vorspann.

Jetzt aber zur Sache:
Grundlegend gibt es zwei verschiedene Arten von Menschen. Die einen sind „normal“, die anderen nicht. Der Begriff „normal“ ist natürlich wesentlich komplexer, als man das gemeinhin annimmt. Auf der einen Seite muss man im alltäglichen Leben natürlich permanent mit dem Begriff arbeiten. Eigentlich kommt man ohne ihn kaum durchs Leben. Nahezu jede zwischenmenschliche Aktivität ist – in gewisser Weise – an ihn gekoppelt. Fragt man z. B. jemanden: „Möchtest du heute ins Kino gehen?“, könnten „normale“ Antworten sein: „Ja“, „nein“, „vielleicht“, „welcher Film?“ usw. usw. Sich auf die Brust zu trommeln und ein Siegesgehäul anzustimmen, darf gerne als „nicht normal“ gelten. Ich nehme an, dass sich hierbei soweit alle einig sind. Die Annahme, es gäbe etwas „Normales“, dient also dazu, die zwischenmenschliche Kommunikation in bestimmten, praktischen Bahnen zu lenken. Man muss nicht für jedes Gespräch erst mal das Rad neu erfinden. „Normal“ kann also auch praktisch sein.

Problematisch wird der Begriff erst, wenn die eigenen Werte als „normal“ angesehen werden und alles außerhalb dieser Werte als „krank“, „falsch“ oder „schlecht“. Letzteres könnte man ja noch mit Toleranz lösen. Aber Toleranz ist auch kein Allheilmittel. Es wird also noch etwas komplexer.

Jetzt kommt nämlich der Begriff des Outings ins Spiel. „Outen“ bedeutet im Grunde, dass jemand, der nicht „normal“ ist, das auch sagt. Wozu? Das ist das Problem. Wäre die ganze Welt ausreichend tolerant, dann wäre Outing überflüssig. Zudem ist es mir vollkommen egal, was andere Menschen privat so treiben. Ich halte Outing also eigentlich für sehr verzichtbar.

Andererseits: Wenn sich nie jemand als „nicht normal“ outet, werden alle immer meinen, dass es die so genannte „Normalität“ wirklich gibt. Sorry, diese weitschweifende Vorrede war notwendig, denn ich oute mich jetzt gleich als „nicht normal“, obwohl ich Outing für ziemlich verzichtbar halte. (Habe ich bereits erwähnt, dass ich komplexe Gedankengänge habe?)

OK. Ich bin also definitiv nicht „normal“, vielmehr bin ich neurodivergent mit ADHS und wahrscheinlich ein wenig „Asperger“ im Neuromix. Ich verwechsle ständig Gegensatzpaare wie rechts und links, habe keinen – aber auch wirklich keinen – Orientierungssinn, verlaufe mich daher auch in Wohnungen, die ich nicht gut kenne. (Echt jetzt) Meine Steuerberaterin leidet sicher unter mir, denn das Ordnen von Belegen ist für mich eine Qual. Ich habe die wildesten Assoziationen in meinem ADHS-Gehirn, in dem es ständig zugeht wie in einem mehrstöckigen Verschubbahnhof mit angeschlossenem Flughafenterminal.

Zudem bin ich tief traumatisiert durch Ereignisse in meiner Familie, die sich vermutlich auf nicht erkanntes ADHS zurückführen lassen. Das Trauma will ich jetzt hier nicht explizit aufführen, das könnte so manchem den Appetit verderben. Aber was eine Mutter mit nicht erkanntem ADHS mit einem Baby so alles machen kann, ist schon erstaunlich. Insbesondere auf Droge. Manchmal wundere ich mich, dass ich überhaupt noch lebe.

Trauma, Neurodiversität, Autismus…

So, jetzt kommen wir aber zum Eigentlichen. Warum ich das nämlich alles schreibe. Das ist ja nicht Selbstzweck… Der Witz ist der: Die Neurodiversität eröffnet mir unglaubliche Möglichkeiten im kreativen Bereich. Ich kann z. B. wunderbare Webseiten machen. Aber nein. Ich kriege meine Steuererklärung nicht alleine hin. Leider. Ich komme mit dem Auto woanders an, als ich plane. Das kann auch interessant sein. Meistens ist es aber lästig.

Andererseits: Wären alle Menschen „normal“ wäre die Welt wahrscheinlich sehr langweilig. Wir würden wahrscheinlich alle in unsagbar langweiligen Jobs von 9h bis 17h vegetieren und am Abend dann Serien auf Netflix sehen oder auf irgendwelchen Sozialen Netzwerken abhängen. Beides von KIs gesteuert. Niemand würde auf seinem Businessblog Beiträge über weiße Stoffbären schreiben, die Zenmeister sind. Das nur zur Erklärung

Auch das Trauma ist besser als sein Ruf. Klar, es ist nicht lustig als Baby von seiner Mutter dermaßen vernachlässigt zu werden, dass … (Wie gesagt: Keine Themen, die den Appetit verderben…) Aber Traumatas kann man auch lösen und gelöste Traumatas sind Ressourcen, die man nicht hätte, hätte man ein unbeschwertes Leben gehabt. Trotzdem hätte ich es gerne integriert… Yoga soll ja helfen… Yoga hilft…

Back to the Roots

OK. Aber jetzt mal zurück zur Ausgangsfrage: Was ist „normal“, gibt es das überhaupt, und wozu soll man sich eigentlich outen, wenn man Outing für komisch hält?

Manchmal – in schlechten Momenten – frage ich mich, ob es nicht besser wäre, wenn ich mich berenten lasse und das ganze Business an den Nagel hänge. Aber nein. Ich will das, was in mir ist – und das ist verdammt noch mal viel – auch nach außen tragen. Und das geht nun mal im kreativen Job besser als wenn man in der sozialen Hängematte in staatlicher Obhut ist.

Wozu ich das alles schreibe? Wie erwähnt: Ich halte Outing für verzichtbar. Aber andererseits: Wenn man genau in dem Klientel (Neurodiversität, Trauma…) aktiv ist, sollte das Gegenüber schon wissen, was Sache ist. Die Steuerberaterin war jedenfalls froh, als ich ihr erklärt habe, warum ich so chaotische Unterlagen liefere. Ich liefere ja nicht zum eigenen Vergnügen die Sachen am Stichtag, 30 Sekunden vor Fristende und dann auch noch ungeordnet.

Was Outen nicht ist. Was sonst auch nicht ist

Nein, Rumjammern kommt nicht in Frage. Nein, ich bin kein armer Mensch mit ADHS und Trauma. Ich bin ein verdammt kreativer Mensch, der in manchen Gebieten Spitzenleistungen erbringt.

Ja. Fuck. Das Leben kann anstrengend sein, wenn man nicht „normal“ ist.

Nein, ich schreibe auch nicht so, wie es dem Algorithmus gefällt. Ich nehme mir heraus, ein Mensch zu sein. Keine Maschine von Googles Gnaden.

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